Pilgerreise zur Wahrheitssuche

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Es ist Dienstagabend. Die Zeltheizung brummelt leise vor sich hin und unter der Zeltplane verbreitet sich ein leichter Duft nach Diesel. Die Besucher sitzen erwartungsvoll auf den blauen Stühlen. Dann ist von der Bühne her ein Grummeln und Seufzen zu hören, ein Blubbern, Nebulöses, Mönchsgesang und Glockenschläge.
Der Reihe nach: Auf Johannes Warth, den angekündigten „Ermutiger“, wartete man vergebens. Seit dem späten Vormittag war klar, der Mann ist krank, Auftritt unmöglich. Mutig war das Zeltteam auch so. Und mutig war der Eigentümer des Musikhauses Hölzle aus Sindelfingen, der schnell einen Flügel auf die Bühne des Zeltes stellte. Die größte Spontanität und Mut bewies Pavlos Hatzopoulos, der um die Mittagszeit sein Kommen für den Abend zusagte.
Hatzopoulos, ein international bekannter Pianist, Mitglied der European Academy for Cultural Arts, er gibt auch Meisterklassen, kam mit seinem Programm „Aus Liebe zur Wahrheit“ nach Nufringen. Er brachte nicht nur Bach, Beethoven und Debussy sowie Schuberth zu Gehör. Wer nicht genussvoll die Augen schloss, konnte sehen, wie der Virtuose die Musik lebte. Sein Oberkörper unterstrich strahlende Klänge und mitternächtliche Glockenschläge, in seinem Gesicht war das Leuchten und Strahlen, wie auch das Seufzen der Tonfolgen zu lesen. Hatzopulos stellte nicht nur sein Ausnahmekönnen an den Tasten vor, er nahm sein Publikum mit auf eine Reise in die Musikgeschichte. Mit Johann Sebastian Bach wäre die Musik an einem Höhepunkt angelangt. Bach, als verlängerter Arm des erlösungsgewissen Martin Luthers habe diese Gewissheit und geistliche Wahrheit in seiner Musik umgesetzt. Das G-Dur in seinen Werken mit seinen zwei Kreuzen und dem fehlenden dritten Kreuz von Golgatha weise er auf die Auferstehung von Jesus Christus hin.
Immer wieder wies Hatzopoulos seine Zuhörer auf einzelne Abschnitte und Phrasen in den Musikstücken hin und erklärte, welche Absicht der Komponist damit verband und die Musikwissenschaft darin sieht. So in die Stücke eingeführt, war es den Menschen im Zelt leicht, die Umsetzung in den vorgetragenen Musikstücken zu verfolgen.
Mit dem Tod Bachs sei die Musik sozusagen aus der Kirche ausgewandert. Die Abfolge der Töne in einem Dreiklang sei bei Bach noch an der geistlichen Wahrheit und Beziehung mit Gott ausgerichtet, dem Ich und dem Du wieder vor Gott, also der Beziehung von Tonika mit Subdominante und Dominante, die wieder zum Grundton finden. Dies sei danach anders. Zwar glaubten die nun folgenden Komponisten noch an die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott, suchten die Erlösung und Wahrheit aber außerhalb dieses Glaubens. In den Werken Beethovens, Debussys und Schuberts, die der Künstler seinem Publikum vorstellte, sei dies an den Tonfolgen und der Auflösung der Klänge zu erkennen.
Dank seiner Einführung in die jeweiligen Werke konnte die Zuhörerschaft im luftigen Nufringer Konzertsaal diese Entwicklungen mitverfolgen.
Zugabeheischender Applaus brandete am Ende des Abends auf. Noch einmal brachte Hatzopoulus Bach zu Gehör. In einer Transkription von „Jesus bleibet meine Freude“ durften die Besucher teilhaben an der Leichtigkeit und tanzbaren Freude dieses im Dreivierteltakt gehaltenen Chorals, den der Künstler zuvor als den Klang des dreieinigen Gottes vorgestellt hatte, bei dem ja Luther, Bach und wohl auch Pavlos Hatzopoulus die Erlösung und Wahrheit gefunden haben. Dort sei die Pilgerreise zur Wahrheit am Ziel angelangt.

Weitere Infos und Hörgenüsse findet man unter: www.pavlos-hatzopoulos.com

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